16 Jul 2021

 

                                          Der Mantel

Er sitzt beim Essen am Tisch im Mantel. Sagt sie zu ihm: „ Warum ziehst Du Dir nicht den Mantel aus?“ „Du siehst ja aus wie ein Besucher.“ Seine trockene Antwort: „Wir sind alle Besucher.“ „Kommen an, sehen uns ein bisschen um und verschwinden dann wieder.“

Abends liegt er mit seinem Mantel im Bett. Sagt sie zu ihm: „Warum ziehst  Du Dir beim Schlafen nicht den Mantel aus?“                                                                                                                                            Leicht abwesend antwortet er: „Man weiß ja nie, zu welcher Jahreszeit man mal beerdigt wird.“ „Der Boden unter mir kann kalt sein.“ „Es ist doch dumm, wenn ich mir schon vorher was weghole.“ „ Also lass ich gleich den Mantel an.“

Sagt sie zu ihm: „Du könntest mir auch mal einen neuen Mantel kaufen!“ Er sieht für eine Weile aus dem Fenster und dreht sich zu ihr um: „Kann ich nicht verstehen – jetzt ist doch Sommer!“

Tage später holt sich der Nachbar den weggeworfenen Mantel aus der Mülltonne und läuft gleich voller Freude zu seiner Frau. „Sieh mal – so ein schöner Mantel und noch dazu aus reiner Wolle.“ „Jetzt ist doch Sommer lieber Mann“, kommt ihre Antwort und ihr Blick geht dabei rüber zur Straße.

Erneut sitzt das erste Paar beim Essen am Tisch. „Also hast Du doch endlich den Mantel ausgezogen“, fragt sie ihn mit einem leichten Lächeln im Gesicht. „Er hat mich beim Brotschneiden etwas gestört meine Liebe“, gleitet ihm belanglos die Antwort von den Lippen. „Im Winter bleiben wir dann wohl besser bei Suppe oder leichtem Eintopf.“ „Da kann ich auch in eine Decke gehüllt immer noch meine Arme bewegen“, ist seine Antwort während vom oberen Stockwerk der Mantel auf die Straße geworfen wird.

Es wird bereits dunkel, als ein Hund daran schnüffelt und noch schnell seine Notdurft auf dem Mantel hinterlässt. Sein eigenes Fell ist ihm warm genug, dann verschwindet er um die nächste Ecke.

„Sieh mal, was die Leute so alles wegschmeißen“, blickt sie wieder zum Fenster hinaus. „Man könnte fast meinen, da liegt einer in Deinen Mantel gehüllt auf der Straße.“ „Halt selber Schuld – jetzt ist doch Sommer!“

Wochen später fallen bereits die ersten braun-bunten Blätter von den Bäumen. Der Herbst ist ins Land gezogen. Ein leichter Wind bringt schon die Kälte herüber. „Sieht doch schön aus, wenn die Straßen und Plätze mit Laub geschmückt sind – oder was meinst Du mein Lieber“, flötet sie ihm am Fenster ins Ohr. „Ich verstehe schon“, seine Antwort ohne viel Aufmerksamkeit für sie. „Adam und Eva hatten ja auch nur ein einfaches Feigenblatt am Körper.“ „Besser wir wären damals alle im warmen Paradies geblieben und müssten jetzt nicht an einen neuen Mantel denken.“ „Da kommt man sich ja beim Essen im Mantel wieder wie ein Besucher vor, weil keiner weiß, ob er nicht doch bald raus auf die Straße kann.“ „Schon merkwürdige Zeiten – erneut mit Mantel oder aber viel später nur im Hemd und leichtem Schuhwerk?“ „Alles ist im Fluss, alles hat seine Zeit, alles ist nicht mehr zu verstehen!“ „Mit Mantel – ohne Mantel, im Haus – aus dem Haus!“

Mit weiblicher Sachlichkeit und einem hastigen Blick zu ihm gewandt: „Komm, setz Dich an den Tisch und iss jetzt Deine Suppe.“ „Der Mantel kann noch warten“ – ihr guter Rat.                                              Die Nacht gleitet langsam ins Zimmer mit zarter Dunkelheit und beklemmender Stille unten von der Straße. „Schalte mal den Fernseher ein und überlass doch die Träumereien anderen Weisen aus dem ‚Abendland‘ mit ihrer leichten Kost und verständlicheren Tagesphilosophie“, ihr kurzer Kommentar. „Den Haken für den neuen Mantel müsstest Du auch noch fester anschrauben – Liebling“, und dann klappert auch schon das Geschirr mit alter Sachlichkeit im Spülbecken.

 

© ®   Thomas Weger  -  April 2021


 

 


11 Mar 2011












POESIE DER LIEBE


„Mädchen ̶ Frau des Lebens, jemand ist heute Nacht gestorben!” „Dein Lächeln ist gestorben!” Zwei Augen sind kalt, und wie blau-grüne Perlen rinnen die Tränen über heiße Wangen.

„He Du! ̶ mit meinen Händen fange ich die Sterne ein und lasse die roten Feuerbälle über Bäume, Terrasse und Fenster tanzen.”

Jemand ist heute Nacht gestorben. Nur ein Traum, ein kurzer einfacher Traum gleitet in den Reigen feuchter Umarmung. Erinnerungen wiederholen sich. Andere Zeiten wechseln ihr Kleid über immer gleicher Farbe.

„He Mädchen! ̶ Du so fremd gewordene Gestalt unerreichter Schöpfung bleibst in der Ferne des vergessenen Tages und der gleichen Zeit!” „Meine müden und ausgestreckten Arme erreichen Dich nicht mehr!” Die Kraft in den Adern versagt ̶ die Quelle in meinem Herzen versiegt. Der Schrei aus meiner Brust ist lautlos, wenn die Erinnerung, all die Vergangenheit und der neue Tag aus der Asche emporsteigen, um den Strahl der Sonne in den Schatten zu stellen.

„Frau ̶ guter Freund, mehr als nur ein Mensch, mehr als nur eine Station des kurzen Lebens”. „Ich verachte mich, weil ich die rostige Kette nicht zerbrechen kann.”

„Traum ̶ ich hasse Dich, wenn nur Tränen mich leben lassen”. Mit meinen Händen greife ich noch einmal nach all den Sternen. Mit der Glut in meinem Herzen betrüge ich die Angst.

„Du guter Mond ̶ guter Freund in der Nacht spielst Dein altes Spiel mit mir!”

„Du Mutter Erde schenkst mir noch einen dankbaren Blick, wenn meine Füße Dich wieder treten!”

„Du kaltes Wasser trägst die Last und den Schmutz verratener Illusionen zum Meer, der Tiefe entgegen!”

„Du Wind glättest meine Haut und trocknest die Tränen, welche nur das Salz zurücklassen!” Jemand ist heute Nacht gestorben, und die Erde dreht sich immer noch und wieder noch.

„Ein anderer Schatten wird in Dein Leben treten ̶ die endlose Zeit alles verwischen oder vergessen und Dich auf immer und ewig lieben!”


7 Jul 2010

Saints of Justice · Heilige der gerechten Sache · святых правосудия · Santos de la Justicia · Sants de la Justícia · Eng · Deu · Rus · Esp · Cat ··· Stained Glass!

6 Jul 2010





13 Apr 2010

























Prolog der Namen

Namen sind wie Schall und Rauch. Sie sind wie der Nordwind, der den Sand über den Äquator schiebt – oder die Brandung, die die Wellen an den Klippen zerbrechen lässt. Die einen kommen – die anderen gehen und treiben auf dem Boot des Vergessens der Abendsonne entgegen.

Namen graben sich ins Gedächtnis ein, begleiten dich ein Leben lang oder versinken in den eingebrochenen Höhlen des Unterbewussten. Ob Freund, Verwandter, Bekannter oder auch nur Momentbegleiter des Augenblickes – der Mensch sucht das Glück, so wie die verlassene Kreatur das Haus umschleicht, um am Ende in sich selbst zu finden, was den Sinn des all umspannenden Lebens ausmacht.

Der eine ist es Wert, in Erinnerung behalten zu werden und vergilbt im Bücherschrank der entrückten Zeitreise – der andere schiebt seine zahnlose Fratze auch nach Jahren noch in die limbische Déjà-Vu- Selbstgefälligkeit und quält dich mit seiner unausstehlichen Ignoranz.

Namen gewinnen an Bedeutung, so wie andere nicht einmal mehr den Bodensatz der Menschheit wert sind. Das erschlagene Tier erstickt noch an seiner verrosteten Kette um den Hals, so wie der Mensch das Elend zu erkennen glaubt, um sich am Ende entscheiden zu müssen. Die Tat wird zum Namen – der Drang nach Freiheit zur Pflicht.

... Und der da gekommen war, um nur zu sehen, musste dann doch erkennen, dass Despotie und Befreiung keine Brüder sind und griff zum Gewehr, nachdem die andere Wange vom ewigen Schlag noch schmerzte und das Gehirn all den kryptischen Namensmüll endlich von sich schütteln konnte. Es werden die anderen Namen sein - die Namen der Aufrechten und Gerechten - im letzten Ringen um des Menschen und des Tieres Glück auf Erden.

... Und der da noch kommen sollte, um zu begreifen, ruft nach den Namen dieser Aufrechten, und gemeinsam verjagen sie all die Kindesmörder, Frauenschänder und Lumpen aus dem heiligen Land Ur und Uruk in Mesopotamien. Utnapischtim steigt den vergessenen Berg herab und kehrt mit seiner Arche aus Dilmun zurück. Ihre Stimmen sollten noch bis Palästina anbranden und dem Olivenbaum das Wasser im Namen des Bruders in Sibirien und des Freundes am Orinoco schenken.

17 Mar 2010

















Schätze das Vergangene und begreife den Augenblick der eigenen Unvoll- kommenheit!

28 Oct 2009











Wenn sich die Unheil bringenden Mächte in der Welt zusammenschließen, müssen die guten Menschen auf der Erde das Gleiche vollführen und sich gegen diese Ungerechtigkeit vereinigen.

So einfach ist das Leben zu verstehen!

22 Jun 2009

Retablos by Thomas Weger























In Kürze erscheinen hier auf diesem zweiten Blog die ersten Retablos von Thomas Weger.

Dies wird der Beginn einer neuen Serie von Werken sein, die sich intensiv um  eine historisch-kulturelle und sozial-politische Aufarbeitung im Rahmen der Menschheitsgeschichte bemüht.

Diese neuen Gemälde werden in progressivem Einklang und expressiver Heraus- vorderung mit der traditionellen Malweise stehen. Sie werden die schöpferische mundiale Spiritualität fruchtend bereichern.

Ihre Ausdruckskraft wird von hohem künstlerischen Wert sein und die Plattform konstruktiver Diskussion bilden.

Retalblos by Thomas Weger
2008
www.google.com
http://thomasweger2.blogspot.com

27 May 2009





















Antoni Bertran

Bohemio soñador,
sé la vida del pintor
que en vida no vende obra
en muerte sube a la gloria,
¿de qué sirve ahora, señor?
¡Qué fríos pasó el invierno
con hambre de cada día
sin vender con agonía
un lienzo al mejor postor!
¿de qué sirve ahora, señor?
Y lo cuelgan y lo exponen
en subastas y museos
para colmar los deseos
de los que nunca disfrutó,
¿de qué sirven homenajes
monumentos y linajes
a quien por calles mendigó?


Lleida · 2009